Chronik
Die Gesamtschule Osterfeld ist eine Gesamtschule der ersten Stunde. Sie wurde 1969 als erste Gesamtschule im ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf gegründet. Diese besondere Geschichte der Gesamtschule Osterfeld spiegelt sich im Schulprogramm und in der gesamten pädagogischen Arbeit wider.
Mut, Herz und Verstand waren 1969 nötig, um die Vision einer bis zum Abitur führenden Schule für alle Kinder in Osterfeld in die Tat umzusetzen. Es ist dem Mut und der Weitsicht der Politik und der Verwaltung Oberhausens zu verdanken, dass sie die Zeichen der Zeit damals richtig deuteten und sich über Parteigrenzen hinweg auf das Wagnis des Schulversuches Gesamtschule hier in Osterfeld einließen.
Wir erinnern uns: Die Zeichen waren in den Sechzigern günstig und standen auf Aufbruch und Erneuerung. Hitzig diskutierte man an den Universitäten, in den Parlamenten und Rathäusern Deutschlands über den Bildungsnotstand, angetrieben von der Angst vor einer deutschen Bildungskatastrophe und bereit, das dreigliedrige Schulsystem zu reformieren. Schule, so forderten alle Seiten, müsse Chancengleichheit für alle gewährleisten, jedes Kind gemäß seiner Neigungen und Fähigkeiten fördern, verfrühte Schullaufbahnentscheidungen vermeiden und ein breites Bildungsangebot entsprechend der Vielfalt der Begabungen machen. Diese Diskussion mündete schließlich 1969 in die Empfehlung des Bildungsrates, Schulversuche mit Gesamtschulen einzurichten.
In Oberhausen war man der politischen Diskussion und dem Bildungsrat ein gutes Stück voraus und beschloss bereits am 24.06.1968 die Einrichtung einer Gesamtschule als Schulversuch in Osterfeld. Und dann ging alles sehr schnell. Im November des Jahres sprach sich der nordrhein-westfälische Landtag für die Einrichtung von Gesamtschulen als Versuchsschulen aus; im Mai 1969 genehmigte die Landesregierung der Stadt Oberhausen und sechs weiteren Schulträgern die Einrichtung von Gesamtschulen; und bereits am 25.08.1969 nahm die Gesamtschule Oberhausen, wie sie damals noch hieß, mit 262 Schüler*innen in sieben 5. Klassen und mit dreizehn Lehrkräften den Lehrbetrieb im Gebäude der ehemaligen Pankratius Volksschule auf. Der Gründungsschulleiter war OStD Siegfried Hebel, Herr Hauptschulrektor Otto Stumpf sein Stellvertreter.
Die Forderungen, die 1969 hier in Osterfeld zur Errichtung der ersten Gesamtschule im Rheinland führten, waren die gleichen Forderungen, die wir alle auch heute noch an Schule stellen. Hier an der GSO erheben wir von Beginn an den hehren Anspruch, diese Ziele standortgerecht zu verfolgen und bestmöglich umzusetzen. Dabei sind unsere Antworten auf diese universalen Fragen heute andere als diejenigen, die die erste Lehrer*innengeneration der GSO gaben. Aber das ist ja auch klar, denn die Anforderungen an Schule haben sich gewandelt. Gleichwohl blicken wir mit Dankbarkeit und Stolz auf die jungen Lehrertalente der Gründungszeit zurück, die mutig und engagiert, von Entdecker- und Erfindergeist erfüllt, die Schule von Grund auf neu entwarfen. So stützen wir uns heute auf ein breites Fundament erprobter Konzepte und reflektierter Erfahrung, die wir nun auf die heutigen Verhältnisse, die heutige Schülerschaft übertragen, anpassen, oder auch, wo es pädagogisch gegeben ist, ganz beiseitelegen. Dabei halten wir weiterhin an den Grundüberzeugungen fest.
Schulform
Die GSO ist achtzügig in der Sekundarstufe I und vierzügig in der Sekundarstufe II. Unsere Schule weist die typischen Merkmale einer integrierten Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe und gebundenem Ganztag auf:
Der Unterricht in der Sekundarstufe I wird in einem nach Neigung und Leistung differenzierten, durchlässigen Unterrichtssystem erteilt. Ohne sich vorher für eine Schulform des dreigliedrigen Systems entscheiden zu müssen, kann das Kind so in Ruhe den Abschluss der Sekundarstufe I anstreben, der zu ihm passt. Der Unterricht in der Sekundarstufe I dauert sechs Jahre und umfasst die Klassen 5 bis 10.
Unser Angebot in der Sekundarstufe I geht allerdings weit über das an Unterricht gebundene Lehren und Lernen hinaus. Wir wissen, dass sich Bildung und Persönlichkeitsentwicklung, die Herausbildung von Selbst- und Sozialkompetenzen, und die Förderung von Neigungen und Talenten in hohem Maße in informellen, spielerischen und ganzheitlichen Situationen jenseits von Lehrplan und Leistungsüberprüfung vollziehen. Daher halten wir ein attraktives, qualitativ hochwertiges, umfassendes und bedarfsgerechtes Ganztagsangebot vor.
Der Unterricht in der gymnasialen Oberstufe (Sekundarstufe II) umfasst drei Jahre. Er gliedert sich in die einjährige Einführungsphase und die zweijährige Qualifikationsphase und führt zur allgemeinen Hochschulreife oder zum schulischen Teil der fachgebundenen Hochschulreife.
Schule des Gemeinsamen Lernens
An der Gesamtschule Osterfeld engagierten wir uns bereits früh in der Inklusion von Schüler*innen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf. Schon 2013 ging bei uns die erste sog. „Integrative Lerngruppe“, wie das Schulgesetz sie damals noch nannte, an den Start als Vorläuferin der heutigen inklusiven Klassen. Bei abgesenkter Schüler*innenzahl wurden in den Integrativen Lerngruppen Schüler*innen mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf von Regellehrkraft und einer Förderlehrkraft gemeinsam unterrichtet.
So war es denn folgerichtig, dass wir im Schuljahr 2019/2020 auch offiziell „Schule des Gemeinsamen Lernens“ wurden. Zurzeit besuchen rund 120 Schüler*innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf die Gesamtschule Osterfeld. Sie sind zusammen mit den Schüler*innen ohne sonderpädagogischen Förderbedarf Schüler*innen derselben Klassen und werden in der Regel gemeinsam mit diesen unterrichtet. Dabei wird die Lehrkraft häufig von einer Förderlehrkraft, einer Fachkraft im multiprofessionellen Team oder einer weiteren Regellehrkraft unterstützt.